Du zahlst mit deiner Kreditkarte, im bekanntesten Beispiel mit einer von American Express, und ein paar Sekunden später landen Punkte auf deinem Konto. Für 100 Euro Umsatz gibt es welche geschenkt, beim nächsten Restaurantbesuch nochmal, beim Tanken sowieso. Es fühlt sich an wie ein kleines Trinkgeld in die falsche Richtung: Eigentlich gibst du Geld aus – und wirst trotzdem belohnt. Warum macht ein Unternehmen das freiwillig? Die kurze Antwort: Es ist kein Geschenk, sondern ein sehr durchdachtes Geschäftsmodell. Und wenn du verstehst, wie es funktioniert, holst du deutlich mehr für dich heraus.
American Express & Co.: Woher das Geld für deine Belohnung kommt
Bei jeder Kartenzahlung fließt im Hintergrund eine Gebühr – und zwar nicht von dir, sondern vom Händler. Jedes Geschäft, das Kreditkarten akzeptiert, zahlt einen prozentualen Anteil deines Einkaufs an den Kartenanbieter. Der macht bei dem Spiel mit, um a) größere Vielfalt bei den Bezahlmöglichkeiten anzubieten, b) einem breiteren, internationaleren Publikum zu entsprechen und c) um potenziell größere Umsätze zu verbuchen. Per Kreditkarte wird in der Regel höher ausgegeben als in bar.
Diese sogenannte Händlergebühr fällt bei allen Kreditkarten – Visa, Mastercard, American Express – an. Und genau aus diesem Topf finanziert American Express einen Teil deiner Punkte. Denn das, was im Netz gerne als „Meilen-Game“ beschrieben wird, funktioniert vor allem mit einer American Express Karte.
Dazu kommt ein zweiter Baustein: das Jahresentgelt. Bei den attraktiven Karten wie der American Express Gold Card oder der American Express Platinum Card zahlst du selbst für die Möglichkeit, besonders effizient Punkte zu sammeln und die Gebühr über andere Wege wieder reinzuholen und so zu amortisieren. American Express verdient also gleich doppelt – am Händler und an dir. Die Belohnung ist damit weniger ein Geschenk als eine Einladung, im System zu bleiben und fleißig weiterzuzahlen. Das klingt negativ – ist aber je nach Verhalten auch eine echte Chance. Die Erzählung vom Luxus-Urlaub, der voll und zum großen Teil aus den Einkäufen bei dm gegenfinanziert wird, kann also stimmen. Kann.
→ Zur American Express Platinum Card (Alle Infos)
→ Zur American Express Gold Card aus Metall (Alle Infos)
Punkte, Cashback, Meilen – wo liegt der Unterschied?
Alle drei Modelle verfolgen dasselbe Ziel: dich ans Bezahlen mit genau dieser Karte zu binden. Der Unterschied liegt darin, wie flexibel und wie wertvoll die Belohnung am Ende ist.
- Cashback ist die ehrlichste Variante. Du bekommst einen festen Prozentsatz deines Umsatzes als echtes Geld zurück – meist zwischen 0,5 und 1 Prozent. Kein Rätselraten, kein Umrechnen. Der Nachteil: Der Gegenwert ist fix und in der Regel niedrig. Ein Euro Cashback ist und bleibt ein Euro.
- Punkte sind das Herzstück des Systems, die Membership Rewards®. Du sammelst sie beim Bezahlen und kannst sie flexibel einlösen: für Gutscheine, zum Verrechnen mit der Abrechnung oder – und hier wird es interessant – für die Übertragung an Partnerprogramme. Der Wert eines Punktes schwankt dabei enorm, je nachdem, wofür du ihn ausgibst. Löst du ihn stumpf gegen einen Gutschein ein, ist er oft weniger wert als ein Cent. Nutzt du ihn clever, kann er ein Vielfaches davon bringen.
- Meilen sind die Königsklasse – und der Grund, warum manche Menschen das Punktesammeln zum Hobby machen. Statt Punkte gegen Bares zu tauschen, überträgst du sie an Vielfliegerprogramme wie British Airways, Emirates Skywards, Flying Blue (AirFrance, KLM) oder Kris (Singapore Airlines) und viele weitere. Über Umwege funktioniert auch Miles & More (Lufthansa). Dort werden aus Punkten Flugmeilen, und mit denen lassen sich Tickets buchen, die im Direktverkauf ein Vermögen kosten würden. Ein Langstreckenflug in der Business Class für einen Bruchteil des regulären Preises – das ist der Effekt, der aus normalem Einkaufen plötzlich ein strategisches Spiel macht. Eintauschbar sind Punkte auch gegen Loyalty-Punkte von Hotel-Ketten (Accor, Hilton, Marriott, Radisson).
Warum sich das Ganze für dich lohnt – und wann nicht
Jetzt kommt der Teil, den die Werbebroschüren gerne weglassen oder im Kleingedruckten verstecken. Das System belohnt eine bestimmte Sorte an Kundinnen und Kunden besonders gut: die, die ihre Rechnung jeden Monat vollständig begleichen. Wer das tut, kassiert die Punkte praktisch geschenkt und lässt die Händlergebühr für sich arbeiten.
Teuer wird es dagegen, wenn du in die Ratenzahlung rutschst. Die Zinsen einer Kreditkarte fressen jeden Punktevorteil in Rekordzeit auf. Vereinfacht gesagt: Die Vielzahler mit Ratenkredit finanzieren einen Teil der Belohnungen für die disziplinierten Vollzahler mit. Genauso solltest du ehrlich rechnen, ob sich eine Karte mit hohem Jahresentgelt für dein Ausgabeverhalten überhaupt trägt. Wer nur ein paar hundert Euro im Monat über die Karte laufen lässt, holt die Gebühr über Punkte kaum wieder rein. Wie überall lautet die Empfehlung also: Nutze deine Kreditkarte als Zahlungsmittel, nicht als Kredit-Ersatz!
Heißt das, das System ist eine Falle? Nein. Es ist schlicht ein Geschäft, bei dem beide Seiten gewinnen können – wenn du die Spielregeln kennst. American Express bekommt einen zahlungskräftigen, loyalen Kunden. Und du bekommst, sofern du diszipliniert zahlst und die Karte zu deinem Verhalten passt, eine Belohnung. Und die geht weit über das hinaus, was ein simples Cashback-Konto je bieten könnte. Besonders beim Umweg über Meilen liegt ein realer Gegenwert, den kaum ein anderes Zahlungsmittel erreicht.
Der Trick ist also nicht, dem Punktesammeln zu misstrauen – sondern es bewusst für sich zu nutzen. Wer versteht, dass die Belohnung aus der Händlergebühr stammt und nicht vom Weihnachtsmann, geht das Ganze automatisch nüchterner und cleverer an.
Nur American Express? Klappt das auch mit anderen Kreditkarten?
Mit Loyalitäts-Boni und Cashback-Methoden wirbt nahezu jeder Kreditkarten-Anbieter. Aber: Ein dauerhaftes und so vielseitig ausgerichtetes System gibt es so nur bei American Express. Die Stärke des Anbieters liegt nicht in der einzelnen Karte, sondern im Membership Rewards Programm mit Vielfliegerpartnern und Hotel-Loyalty-Programmen, in das du flexibel transferieren kannst. Genau das fehlt bei Visa und Mastercard fast durchgängig. Deren Loyalty-Systeme sind meist an ein Programm gekoppelt statt an ein flexibles Punkte-Drehkreuz.
Dennoch: Eine Reiseversicherung ist bei vielen Master- und Visa-Karten schon mal mit drin. Auch Cashbacks oder Boni bei verpartnerten Reiseanbietern, Shops und Co. sind in der Branche großflächig üblich. American Express hat das Punktesammeln zum elementaren Bestandteil gemacht. Das unterscheidet die Karten und insbesondere die monatlich 60 Euro teure American Express Platinum Card von anderen Kreditkarten.
Zu nennende Alternativen sind die Miles-and-More-Kreditkarte, die – wie der Name schon sagt – ans Lufthansa-Meilen-Programm angeschlossen ist und bei jeder Zahlung dort mitsammelt (hier mehr dazu). Für „Lufthansa-sonst-nix“-Fans top, außerhalb flexibel dagegen nicht.
Relativ neu im Game ist die Revolut Visa, die ein Punkte-Sammel-System (RevPoints, hier mehr dazu) à la American Express versucht aufzubauen und vielseitige Transfer-Optionen erreichen will. Vorteil ist hier die hohe Akzeptanz (in Deutschland) dank Visa.
Bezahlte Kooperation mit American Express. Redaktionelle Auswahl und Bewertung erfolgen unabhängig durch unsere Redaktion.

